Lebende Schachpartien

Heighington 1882

 

A game at chess with living pieces, at Heighington near Darlington.

 

(Quelle: Illustrated London News, vol. 81, 23. September 1881, S. 328)

 

Aus einem kleinen Bericht über eine originelle Werbeaktion des Reverends C. C. Chevallier, mit der er das Geld für die neuen Glocken seiner Dorfkirche eintreiben wollte.

Mit Erlaubnis des Besitzers H. E. Surtees und unter der Schirmherrschaft von 25 Damen, angeführt von Lady Chaytor und Lady Pease, wurden in Redworth Park mehrere Lebendschach-Partien vor zahlendem Publikum aufgeführt. Die rote und grüne Partei waren in Kostümen im Stile des 15. Jahrhunderts gekleidet.

Die erste Partie trug Reverend Chevallier gegen Major Thompson aus; die Kontrahenten riefen ihre Züge ins Spielfeld, wo sie mit der Präzision eines Automaten ausgeführt wurden. Die zweite Partie spielten die Reverends H. Spurrier und W. H. G. Stephens. Am folgenden Tag unterlag Dr. Hardy gegen den Schulmeister des Dorfs, Mr. Thompson, in einer weiteren Partie.

Desweiteren werden die Darsteller der Figuren namentlich genannt und einzelne Kostüme beschrieben. Deren Entwürfe gingen auf Darstellungen aus William Caxtons "Book on Chess" zurück.

London 1911

 

Ein interessantes Schachspiel, in dem an Stelle der Figuren lebende Personen traten, fand kürzlich in einer größeren Londoner Gartengesellschaft statt. Neben dem großen Schachbrett, auf dem sich die lebenden Figuren zu bewegen hatten, saßen die Londoner Schachspieler Bonnaire und Hall, die das spiel leiteten.

 

(Quelle: Illustriertes Sonntagsblatt zur Feuerbacher Zeitung, Nr. 33, 1911, S.261 [Foto] bzw. 264 [Text])

 

Das British Chess Magazine vom Juni 1911 enthält das Angebot von Mr. F. Chappin zur Kooperation mit jedermann, der eine lebende Schachpartie organisieren möchte:

 

If any of our readers have in view an exhibition of Living Chess, Mr. F. Chappin, 9, Millstone Lane, Leicester, will be pleased to cooperate. Mr. Chappin´s offer is expressed in the following terms:

"Last year you were good enough to put me in the way of getting particulars to give an exhibition of Living Chess, and if any club cares to apply to the Leicestershire League for loan of dresses, &c., that Society will be pleased to oblige, except during the month of July, when the exhibition is to be repeated in Leicester."

 

(Quelle: The British Chess Magazine, June 1911, S.240)

 

Kurze Zeit später berichtet Mr. Chappin vom Erfolg seiner Kampagne:

 

"Since writing you last we have had four exhibitions of Living Chess at the Garden Fetes, and have had favourable notices from local papers. At the third display a series of photographs were taken, and also cinematographs for the local picture palace. Many of our best players have taken part in the games."

 

(Quelle: The British Chess Magazine, August 1911, S.320)

 

Möglicherweise handelt es sich bei dem Foto um eine der erwähnten Aufnahmen.

 

Paraguay 1928

 

Die seltene argentinische Schachzeitschrift El Ajedrez Americano berichtet in ihrer Februar-Ausgabe 1928 von einer Serie von Lebendschachpartien des Schachverbandes von Paraguay, die selbiger in verschiedenen Fußballstadien des Landes veranstaltete. Die publizierten Fotos lassen erkennen, dass die Veranstaltungen großen Anklang in der Öffentlichkeit fanden.

Das Bild oben zeigt die namentlich leider nicht benannten Spieler, deren Züge auf das Brett mit den lebenden Figuren übertragen wurden. Auch die Züge der Partie(n) werden in der Zeitschrift leider nicht veröffentlicht.

 

 

Der weiße König und die weiße Dame

 

Der schwarze König und die schwarze Dame

 

(Quelle: El Ajedrez Americano, No. 5, Febrero de 1928, S.156)

 

 

 

Bickenbach 1949

 

Schachpartie mit lebenden Figuren ist vor geladenen Freunden und Anhängern des königlichen Brettspiels - anläßlich der Eröffnung einer Schachwerbewoche des hessischen Schachverbandes - von einer Spielgruppe des Schachdorfes Bickenbach an der Bergstraße gezeigt worden. Bekannte Spieler erprobten ihre hohe Kunst am lebenden Objekt, um indessen festzustellen, daß sich die lebenden Figuren als weniger geduldig erwiesen als die Könige, Läufer und Bauern aus Holz.

 

(Quelle: Stuttgarter Illustrierte, Nr. 23, 29. Mai 1949)

 

 

© Martin Ramsauer, 9.5.2013, zuletzt ergänzt am 6.7.2013