Walter Korn in Ludwigsburg

 

Aus den Jugenderinnerungen "Bericht über Kindheit und Jugend", Marbach am Neckar o.J., von Dr. Gerhard Richter:

 

Ein anderer US-Soldat jüdischer Abstammung, der uns 1945 oder 1946 ein- oder zweimal aufsuchte, war Walter Korn, ... ein sehr gescheiter Intellektueller ... . Er war ein ausgezeichneter Schachtheoretiker, der eines der berühmtesten Schachgrundwerke nach dem Krieg verfaßte. ich spielte auch einmal mit ihm Schach, wobei ich nicht den Hauch einer Chance hatte. Leider ist mit ihm der Kontakt nicht aufrechterhalten worden. (S.76)

 

Walter Korn hat mehrere Schachbücher verfaßt:

- American Chess Art : 250 portraits of endgame study, London: Pitman and Sons 1975

- America´s Chess Heritage : from Benjamin Franklin to Bobby Fischer, New York:

David Mc Kay 1978

- The brilliant touch, London: Pitman and Sons 1950 (Neuausgabe: The brilliant touch in chess, New York: Dover Publications 1966)

 

Bei dem "Schachgrundwerk" dachte Gerhard Richter sicher an Korns am weitesten verbreitetes Buch Modern Chess Openings, das in zahlreichen Auflagen nachgedruckt wurde. Ursprünglich stammte das Buch aus der Feder des britischen Autorenduos Richard Clewin Griffith und John Herbert White. Für die achte und neunte Auflage firmiert Walter Korn als Bearbeiter und Herausgeber, in der zehnten Auflage übernimmt Larry Evans diese Aufgaben. Die erste deutschsprachige Ausgabe erschien 1968 im Hamburger Verlag Rattmann unter dem Titel "Moderne Schacheröffnungen".

 

Gerhard Richter war jahrzehntelang aktives Mitglied des Marbacher Schachvereins, von 1973 bis 1987 dessen 1. Vorsitzender. Nach seiner Pensionierung 1991 - beruflich war er zuletzt als Jurist im Justizministerium tätig - beteiligte er sich rege und mit großer Begeisterung an Seniorenturnieren.

Zur Zeit des zitierten Berichts lebte er mit seiner Familie in Ludwigsburg. Wer weiß, welche Auswirkungen eine anhaltende Bekanntschaft mit Korn für Richters persönliche Schachentwicklung oder gar für den Marbacher Schachklub gehabt hätte.

 

 

 

© Martin Ramsauer, 3.1.2013