Roberto Cotroneo: Tempestad, aus dem Italienischen von Karin Krieger, Frankfurt: Insel Verlag 2003.

 

Ein Roman über Musik, Schach und die Suche nach der Vergangenheit. Der Ich-Erzähler erinnert sich an Tempestad, die rätselhafte Stadt seiner Kindheit, die irgendwo in Südamerika liegt, jedoch auf keiner Karte verzeichnet ist. Tempestad ist ein Ort, in dem jeder Geige und Schach spielt.

Auf der Fahrt auf einem Ozeandampfer lernt der Ich-Erzähler einen Schachspieler (Donald Byrne!) kennen, aus dessen Lebensbericht er Rückschlüsse auf seine eigene Vergangenheit ziehen kann. Zurück in Tempestad muß der Erzähler erkennen, dass die alte Zeit vergangen ist, die Leute, die Schach spielen sind verschwunden.

Ein rätselhafter Roman, in dem vieles nur angedeutet wird, aber ein echter Fund für alle, die an Schach als Motiv in der Literatur interessiert sind. Das Buch ist durchsetzt mit Verweisen auf reale Begebenheiten aus der Schachgeschichte. Erinnert wird an die berühmte Partie, die Bobby Fischer als 13jähriger 1956 in New York gegen Byrne gewann, Spassky, Fine, Capablanca und Taimanow werden erwähnt.

 

 

Roberto Cotroneo: Otranto, aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber, Frankfurt: Insel Verlag 1998.

 

Velli, eine niederländische Restauratorin ist, während sie das berühmte Mosaik in der Kathedrale von Otranto restauriert, auf der Suche nach ihrer Vergangenheit. Insbesondere das rätselhafte Verschwinden ihrer Mutter beschäftigt sie. Zweimal wird das im Mosaik dargestellte Schachbrett erwähnt (zu sehen z.B. unter: http://www.paradoxplace.com/Perspectives/Sicily%20&%20S%20Italy/Puglia/Otranto/Otranto.htm).

Ein schöner Gedanke:

 

[Velli beobachtet im Café einen Mann] „Ich saß am Tischchen eines kleinen Cafés und starrte hinüber, begierig zu erfahren, warum er so steif und reglos war, begierig herauszufinden, wer er war. Dann, wie es oft geschieht, eine kleine Ablenkung, ein Tablett mit einem Glas, ein Lächeln zum Kellner, und er war nicht mehr da. Alles andere war unverändert, wie das Schachbrett eines abgebrochenen Spiels, bei dem jemand eine Figur weggenommen hat, die wichtigste. Ohne den König kann man nicht weiterspielen.“ (S.51f.)

 

 

© Martin Ramsauer, 25.1.2013