Der amerikanische Literatur-Nobelpreisträger Ernest Hemingway hat in mehreren seiner Werke das Schachspiel erwähnt.

 

In seiner Reportage Ein Brief aus Paris aus dem Jahre 1934 weist er auf die Vergangenheit des berühmten Café de la Régence als Treffpunkt der Schachspieler hin:

 

Das ist das Café, wo Napoleon immer Schach gespielt hat, als er noch Erster Konsul war. Sie haben den Tisch noch, an dem er immer spielte. Während der guten Jahre wurden Schachspieler nicht grad ermutigt, im Régence zu verkehren. Sie verzehrten nicht genug. Jetzt ist man froh, wenn wieder einer kommt.

 

(zitiert aus: Ernest Hemingway: 49 Depeschen : ausgewählte Zeitungsberichte und Reportagen aus den Jahren 1920-1956 / übersetzt und herausgegeben von Ernst Schnabel, Reinbek: Rowohlt 1997, S.104)

 

 

In einem anderen Land erzählt die Erlebnisse eines amerikanischen Freiwilligen als Sanitätsoffizier an der italienischen Front während des 1. Weltkriegs. Der autobiographisch geprägte Roman (als Ich-Erzählung geschrieben) hat zwei kurze Passagen mit Schachthematik:

 

Ich sah alles voraus, wie die Züge beim Schachspielen. (S.26)

 

Und später, zu seiner Geliebten Catherine:

 

Möchtest Du jetzt Schach spielen?“

Ich will lieber mit Dir spielen“

Aber nachher spielen wir?“

Ja“

Schön“

Ich holte das Schachbrett hervor und stellte die Figuren auf. Draußen schneite es noch heftig. (S.270)

 

(zitiert aus: Ernest Hemingway: In einem andern Land / autorisierte Übersetzung aus dem Amerikanischen von Annemarie Horschitz, Berlin: Wegweiser-Verlag 1949)

 

 

Wem die Stunde schlägt ist neben John Dos Passos´ „Drei Soldaten“, James Jones´ „Der tanzende Elefant“ und Norman Mailers „Die Nackten und die Toten“ einer der großen klassischen Kriegsromane der amerikanischen Literatur. Der Roman schildert den Einsatz des amerikanischen Guerillakämpfers Robert Jordan als Sprengstoffexperte auf Seiten der Republikaner während des Spanischen Bürgerkriegs. In den Ruhepausen bei der Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags auf eine Brücke schreibt Jordan Erinnerungen und Gedanken nieder, darunter folgendes:

 

Denk bloß an Durán, der überhaupt keine militärische Ausbildung genossen hat und vor der Bewegung ein verbummelter Komponist war! Heute ist er ein verteufelt tüchtiger Brigadegeneral. Für Durán war das alles so leicht und einfach zu erlernen wie das Schachspiel für ein Schachwunderkind“

 

(zitiert aus: Ernest Hemingway: Wem die Stunde schlägt / deutsche Übertragung von Paul Baudisch, Berlin – Frankfurt: Suhrkamp Verlag 1948, S.300)

 

 

© Martin Ramsauer, 19.1.2013